Betonfassade mit Sicherheitsnetz, auf einem Geländer sitzt ein Reiher

Sehnsüchtig erwartet: die Renovierung

Auf dem Gelände der Universität zu Köln stehen zwei denkmalgeschützte Gebäude des renommierten Architekten Rolf Gutbrod auf ebenfalls denkmalgeschützter Grünfläche. Ein Rundgang über das zerzauste Ensemble.

Im Somer erhielt ich einen schönen Auftrag von koelnachitektur.de: Es ging darum, den aktuellen Stand zum Zustand und Schutz der betonbrutalistischen Bauten von Rolf Gutbrod und den sie umgebenden Grünanlagen zusammenzutragen. Bei einem Aufenthalt in Köln konnte ich mir als Teil der Recherche ein eigenes Bild von der Anlage mit stilbildender 60er-Architektur, -Kunst und -Grüngestaltung machen.

Der Beitrag ist mittlerweile veröffentlicht. Dort gibt es auch Fotos und weiterführende Links. Die Kurzfassung: Fast die gesamte Anlage steht seit 2020 unter Denkmalschutz. Wann die Universität die dringend notwendige Instandsetzung der Fassaden in Angriff nimmt, steht noch nicht fest.

Einige meiner Bilder von Juni 2021 zeige ich hier ergänzend zu denen im Beitrag auf koelnarchitektur.de.

Bibliotheksgebäude aus Beton und großen Fensterfronten, im Vordergrund eine wuchtige Außentreppe, Baucontainer und andere Baumaterialien.
Ikonisch: Die Lesesäle der Bibliothek sind dank der Fensterfassaden innen schön luftig. Skulpturale Treppen tragen zum 60er-Spirit bei. Warum das Gelände im Vordergrund so lässig vollgestellt ist, war mir nicht ersichtlich.
Betongebäude mit schießschartenähnlichen Fenstern. Es wirkt abweisend. Links und rechts Bäume und Sträucher, einige geparkte Fahrräder
Klassisch: Die immer wieder fotografierte Ansicht des Magazintrakts der Bibliothek zeigt die Schießschartenfassade.
Fassadendetail der Universitätsbibliothek
Auf Zack: Der Magazintrakt der Universitätsbibliothek. Man sieht die Betonformteile und ihren etwas verschlissenen Zustand sowie Sicherungsmaßnahmen am Dach.
Ein Wasserbecken und Bäume. Zwei Säulen tragen ein Betondach, das bis über das Wasserbecken reicht.
Verschmelzung: Innen und Außen liegen übereinander, wenn eines der Wasserbecken unter einen Vorsprung der Bibliothek reicht. Das Prinzip findet sich auch im Hörsaalgebäude, wo sich die Bodengestaltung von außen nach innen fortsetzt.
Kleines Geäude aus Beton und Glas mit einem vergleichsweise großen Dach. Rechts im Bild Schriftzug: Universität zu Köln
Neuling: Der Blick fällt vom Uni-Hauptgebäude quer über die abgesenkte Universitätsstraße auf den markanten neuen Pavillon auf dem Albertus-Magnus-Platz. Dieser umfasst die Einfahrt zur Fahrradgarage und einen Kiosk. Rechts sieht man das totrenovierte Philosophikum, 1974 vom Staatshochbauamt Köln gestaltet. Im Inneren befanden sich zeitgemäß Rolltreppen, die aber mittlerweile abgebaut sind. Links sieht man so eben noch das Gutbrod’sche Hörsaalgebäude.
Vierspurige Straße wird unter einem Platz hindurchgeführt. Im Hintergrund sieht man Universitätsbauten.
Modern: Die Universitätsstraße ist auf Höhe der Universität abgesenkt – typisch für die 60er, als man den Verkehrsteilnehmer*innen verschiedene Ebenen zuwies. Für seine Gestaltung der Absenkung erhielt Rolf Gutbrod 1967 den Kölner Architekturpreis – nicht aber für seine beiden kongenialen Bauten direkt nebenan.
Unübersichtliche Stelle mit mehreren Gebäuden, Baucontainern und einem Hochhaus im Hintergrund
Durchblick und Dichte: Diese Stelle auf dem Campus finde ich trotz der tollen Aussicht besonders unbehaglich. Links die östliche Fassade des Hörsaalgebäudes von Rolf Gutbrod aus den 60er Jahren, rechts sieht man das Seminargebäude (Arch. Paul Böhm, 2010). Man blickt auf temporär aufgestellte Container, dahinter kann man die nach oben aufragenden Fensterluken der Bibliothek von Rolf Gutbrod erkennen. Im Hintergrund ragt das Uni-Center auf (Arch. Werner Ingendaay, 1971-73).
Betonfassade des Hörsaalgebäudes. Sie ist mit Netzen verkleidet, aber man kann noch etwas von der künstlerischen Gestaltung sehen.
Geriffelt: Hier am Hörsaalgebäude guckt noch ein wenig Fassadenstruktur um die Ecke. Die Hörsäle sind fensterlos und damit recht wuchtig. Durch verschiedene Verschalungstechniken und andere optische Auflockerungen wirken sie eher wie große Flächen für abstrakte Kunst. Außerdem sieht man, wie die rostenden Stahlarmierungen dem Beton zusetzen.
Ungepflegte Gebäudeecke außen: Wurzeln eines Baums heben Platten an, Laub und Müll liegen herum.
Zuwendungsbedürftig: Die Natur verleibt sich die künstlerische Außengestaltung von Jürgen Hans Grümmer ein. Wurzeln beginnen, die Bodenplatten anzuheben; Efeu hüllt eine künstlerisch gestaltete Betonmauer ein.
Eingang zum Hörsaalgebäude. Künstlerische Gestaltung der Bodenplatten, die grün überwuchert sind.
Leicht moosig: Der Eingang zum Hörsaalgebäude, von der Bibliothek aus gesehen. Man sieht das komplexe Muster der Bodengestaltung von Jürgen Hans Grümmer und Müll, den Feiernde dort hinterlassen haben.

 

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