Schwarzwaldhalle in Karlsruhe: Die Spannbeton-Sensation

English summary below.

Im Bauhaus-Jahr 2019 hatte ich die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe zu werfen. Der etwas betuliche Name täuscht, es handelt sich um ein denkmalgeschütztes Juwel: eine gläserne Mehrzweckhalle mit Betonschalendach von 1953. Architekt war Erich Schelling und verantwortlich für die Statik zeichnete Ulrich Finsterwalder. Normalerweise beschäftige ich mich eher selten mit den technischen Hintergründen von Bauwerken, aber in diesem Fall kommt man da nicht drum herum. Denn die Schwarzwaldhalle ist in meinen Augen nicht nur ein höchst sympathisches und ansprechendes Stück Nachkriegsarchitektur, sondern sie war zu ihrer Zeit eine Sensation: Europas erster Hallenbau mit einem freitragenden sattelförmigen Hängedach. Sogar die ZEIT schrieb darüber. Denn das Dach, das die 2.430 Quadratmeter große Halle überspannt, ist lediglich 60 Millimeter dick. Sechs Zentimeter Spannbeton, die in sanfter Kurve über dem säulenlosen Saal hängen.

„Die Materie war aufgelöst.“

In ihrer Ausgabe 53 von 1953 schwärmt die Wochenzeitung: „Dieses Dach ist nicht nur für die Karlsruher zu einer Sensation geworden, sondern auch für die Bauwelt des In- und Auslandes. Es schwebt wie das leichte Oval einer Wolke schwerelos vor der Kulisse des benachbarten Stadtgartens. Der Schellingsche Entwurf schien den Gesetzen der Schwerkraft Hohn zu sprechen. Die Materie war aufgelöst.“

Als Wahl-Karlsruherin hatte ich zuvor noch nie Gelegenheit oder Anlass, die heilige Halle zu betreten. Drum habe ich mich umso mehr über die von Karlsruhe Tourismus organisierte Führung gefreut, die den unbestuhlten Saal zugänglich machte. Und die dynamischen Dachform beeindruckt noch immer.

Ort der Bambi-Verleihung

Die Halle ist sanft restauriert, Tütenlampen und Spiegel in Nierentischästhetik, Böden und Türgriffe sind bauzeitlich erhalten. Und die Halle hat einiges erlebt. Bis zur Eröffnung der Europahalle 1983 diente sie für große Sportveranstaltungen – von Rollschuhkunstlauf über Ringen bis zum Handball.

Bis heute finden hier Konzerte in unterschiedlichen Musikrichtungen und andere Veranstaltungen statt. Bis Mitte der 60er-Jahre nahmen hier Größen der Fernsehunterhaltung die Auszeichnung Bambi entgegen. Die kleine Rehfigur, entworfen von der Bildhauerin Else Bach, fertigte die Staatliche Majolika-Manufaktur.

Hier noch ein paar Fakten für Fans der Zahlen: Die Grundmaße der Halle betragen 60 x 45 Meter, die Deckenhöhe bewegt sich zwischen 12 und 17,50 Metern. Bestuhlt kommen 3.152 Besucherinnen und Besucher unter; stehend ist Platz für 5.000.

Warum die nachkriegsmoderne Schwarzwaldhalle im Bauhausjahr Teil der Grand Tour der Moderne war, erschließt sich mir ehrlich gesagt noch immer nicht so ganz. Aber ich habe die Gelegenheit, sie als Ort „neuen Bauens“ zu erkunden, jedenfalls gerne genutzt. Und mal gucken, ob ich die Grande Dame am Festplatz nicht doch gelegentlich in Aktion erleben kann.

Welcoming the crowds since 1953: Schwarzwaldhalle / Black Forest Hall in Karlsruhe. Architect was Erich Schelling, Ulrich Finsterwalder the man for the statics. The hall used to be a sensation due to ist really thin roof of concrete – 6 cm, elastic and stable at the same time. It served as a venue for sports events and still hosts concerts and other major events in town. Located on the brink oft he zoo, the fragile structure consists of the curved concrete roof which rests on conrete pillars. The walls consist of windows only. The hall seats 3,152 visitors or accomodates 5,000 standing audience. The measurements are 60 by 45 m.

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